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29. Juni 2010

Neue Ergebnisse im Kulturrat

Mara Michel berichtet

Am 2. Juni 2010 tagte der Fachausschuss Arbeit und Soziales des Kulturrats in Berlin. Unsere Vertreterin in diesem wichtigen Ausschuss ist Mara Michel, sie repräsentiert den Bereich Kunst und Design. Thema dieser Sitzung war, ein Konzept zu erarbeiten, das allen Kreativen und Künstlern ermöglicht, ein existenzsicherndes Einkommen zu generieren und einer Altersarmut vorzubeugen.

Hintergrund der Thematik ist die Diskrepanz zwischen dem gesamten Umsatz der Kultur- und Kreativwirtschaft und dem Einkommen der einzelnen Kulturschaffenden. Bereits im Jahr 2006 stellte die Statistik (Michael Söndermann, Büro für Kulturwirtschaftsforschung in Köln) fest: die Kultur- und Kreativwirtschaft steht für 2,6 % des deutschen Bruttoinlandproduktes (BIP) mit 132 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr und einer Million Beschäftigter. Damit steht Kreativwirtschaft in Deutschland wirtschaftlich an zweiter Stelle. Nur die Automobilindustrie hat noch einen Vorsprung von 4 Punkten (3,0 % des BIP), danach kommen die Chemieindustrie (2,1 % des BIP) und die Energieindustrie, die Ernährungsindustrie ect. Dem gegenüber steht das durchschnittliche, von der Künstlersozialkasse (KSK) ermittelte Einkommen der dort Versicherten in Höhe von 13,288 Euro (per 1.1.2010).

Söndermanns Studie war für alle Kulturschaffenden eine große Überraschung und sorgte in der Politik für eine Hinwendung zur Kultur und Kreativwirtschaft. Waren Künstler und Kunstschaffende bisher eher als Traumtänzer angesehen, die wirtschaftlich nicht ins Gewicht fallen, führt die Erkenntnis der wirtschaftlichen Stärke dieser Branche dazu, dass ihr erhöhte Aufmerksam zu Teil wird.

Erstes Ergebnis ist die Einrichtung des Kompetenzzentrums der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung mit Regionalbüros in jedem Bundesland. Deren Aufgabe ist, den einzelnen Kulturschaffenden zu helfen, Netzwerke zu nutzen, Möglichkeiten für Fördermittel zu kennen und aufzunehmen, Erfahrungswerte anderer zu nutzen, selbst Netzwerke aufzubauen und alle Sparten mit Wissen zu versorgen. Dazu gehört auch, Seminare für eine sinnvolle Weiterbildung zu vermitteln, die Möglichkeiten aufzuzeigen, die Künstler für Umschulungen in Anspruch nehmen können und die Erfahrungen und Berichte der Netzwerke weiterzugeben. In jedem Bundesland werden Sprechstunden in mehreren Städten dafür eingerichtet.

Das kann nur ein Anfang sein. Genauso wichtig ist, die Ursachen aufzuspüren, die dazu führen, dass viele Kreative Harz IV-Empfänger sind oder/und unter dem Existenzminimum leben, obwohl die gesamte Branche einen so gewaltigen Umsatz generiert.

Dieses Thema hat jetzt der Fachausschuss Arbeit und Soziales im Kulturrat aufgenommen. Mara Michel wird laufend darüber berichten.

Erste Ergebnisse im Schiedsausschuss der Künstlersozialkasse

Über den Verband Deutscher Mode- und Textil-Designer wurde Mara Michel zudem in einen Schiedsausschuss berufen, der Fälle untersucht, die von der Künstlersozialkasse abgelehnt werden sollen. In der letzten Sitzung konnten durch überzeugende Argumente die zunächst strittigen Entscheide zu Anträgen von elf Mode und Textildesignern positiv beantwortet werden.

Die Künstlersozialkasse sorgt seit 25 Jahren für die soziale Sicherung der selbständigen Künstler und Publizisten.

Sie tritt dabei wie ein Arbeitgeber auf und bezahlt die Hälfte der Sozialabgaben: Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Der selbständige Künstler und Publizist bezahlt also nur 50 %, der Bund schießt 20 % zu und die Verwerter, die künstlerische Leistung in Anspruch nehmen, bezahlen 30 % über eine anteilige Abgabe von 3,9 % auf das Honorar. Der Vorteil für die Verwerter-Firmen liegt auf der Hand. Bei Anstellung im Betrieb fallen ca. 30 % der Gehälter zusätzlich an für Sozialabgaben, die der Arbeitgeber aufbringt, bei Werkverträgen mit selbständigen Freiberuflern fallen nur 3,9 % der direkten Leistung an, die über das bezahlte Honorar berechnet wird.

Derzeit sind 165.000 Künstler und Publizisten über die KSK versichert und ebenso viele Verwerter beteiligen sich durch die 3,9 % Sozialabgaben an dem Auszahlungs-Volumen.

Das ist einmalig und beispielgebend in und für ganz Europa.

Der Kulturrat zieht daraus zwei Schlussfolgerungen:

  1. Freie Künstler und Publizisten müssen verlässlich abgesichert sein in Anbetracht des hohen Wirtschaftswertes, den die Kultur in Deutschland hat.
  2. In Anbetracht der wirtschaftlichen Bedeutung darf die Kulturförderung in Deutschland weder gekürzt werden noch weiterhin der teilweisen Freiwilligkeit der Kommunen unterliegen

Kreativität und kulturelle Schaffenskraft im Auftrag von Industrie, Handel und Dienstleistung sichern nachweislich Absatzchancen, Arbeitsplätze, Wachstum, Wohlstand und unternehmerische Gewinne.

Mara Michel

Geschäftsführerin VDMD

Verband Deutscher Mode und Textildesigner

Semmelstraße 42

97070 Würzburg

www.vdmd.de

info@vdmd.de

 

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